• Susi

Sex und The Work. Teil 1.

April 2018. 2. The Work Forum in Wien, eine Art Fachtagung veranstaltet vom Verband für The Work of Byron Katie. Auf dem Programm mein Name. "Sex & The Work. Susanne Große-Venhaus." steht da bei den Kurzvorträgen.

Ich werde also reden. Mich zeigen. Puh. Ich hab mich auch noch freiwillig gemeldet dafür. Bißchen Kamikaze ist das ja schon.


Natürlich bin ich mit The Work, einem genialen Weg stressige Gedanken aufzulösen, tatsächlich viel glücklicher geworden in meiner Sexualität. Weil, die war nämlich manchmal schwierig bis dahin. Ich war sogar zufrieden und dann auch wieder nicht.

Eine Ahnung von Da-geht-noch-was brachte mich auf den Weg.


Irgendwann erkannte ich, wie ich mich selbst mit sooo vielen Glaubenssätzen bisher augeknockt hatte. Gedanken über meinen Körper, dessen Aussehen und dessen Reaktionen. Gedanken über Männer, die Bedeutung von Sex, wie Sex sein muß und wie er nicht sein darf usw.


Mein Umgang damit und meine Entwicklung danach ist der Stoff für meinen Vortrag.

Ok, also in Wien bin ich jetzt schonmal gelandet und übermorgen ist mein Talk dran. Heute, am Vorabend der Veranstaltung helfe ich im Orgateam beim Packen der Folder für die Teilnehmer. Dabei fröhlicher Plausch in der Runde.


Dann die Frage, die ich nicht hören will: "Sag mal, wie steht es denn gerade mit deinem Liebesleben so?" Liebesleben? *Räusper*.

Ich habe gerade ein liebes Leben ohne Liebesleben.

Da steht auf einmal meine tiefste Angst rund um diesen Talk im Raum. Die Angst, die mich vielleicht die ganze Zeit bei der Vorbereitung blockiert hat, die mich die zentrale Botschaft nicht hat klar sehen lassen. Die Angst, die ich selbst nicht sehen konnte, weil sie so ungeheuerlich erscheint. In Worte formuliert von eben jener Fragenstellerin.

Regieanweisung für die werten Leser, bitte ungläubig staunend, mit fast vorwurfsvollen Unterton betont laut mitlesen:

"WIE????? Du hast z.Zt. keinen und dann hältst eine Rede über SEX????"


Autsch. Ja, darf ich das? Kann ich das? Bin ich überhaupt kompetent dazu, wo ich doch de facto gar keinen Sex habe und das jetzt schon eine ganze Weile nicht.

Ich atme ein und atme aus. Und sicherheithalber noch ein paar Runden weiter. Ich nehme meine Gedanken wahr und mit dem Hinspüren und Anerkennen, verfliegen sie. Und dann sehe ich auf einmal klar:


Ich Darf! Ich Kann! Ich Soll!


Weil hier ist meine Mission. Ich habe lange daran gearbeitet und ich hatte Erfolg damit. Heute gehört meine Sexualität ganz mir. Und ich bin zufrieden mit ihr. Ich mag sie, ich genieße sie und meinen Körper mit seiner ganzen Sinnlichkeit, mit all der innewohnenden Lust und Hingabe. Es gibt sooo viele erotische Momente da draußen, im ganz normalen lieben Leben. Bin ich etwa erst dann ein sinnlich-sexuelles Wesen, wenn ich Sex mit jemand anders habe? Äh, also, nö, nicht wirklich.


Früher war das so, da brauchte ich Sex auch als Bestätigung. Heute? Ich liebe es, mich sexuell zu vereinigen, mehr denn je und ich brauche das nicht mehr, weil ich hab ja mich.

Da draußen sind so viele Menschen, die Probleme mit ihrem lieben Liebesleben haben.

Menschen, die Dinge hinnehmen, wie sie sind, weil sie denken, so ist es eben. Menschen, die sich innerlich messen, mit dem was sie glauben, wie sie sein müßten. Ich bin hier eine lange Reise gegangen. Und es hat sich sooo viel verändert. In mir.


Das KANN ich teilen. Das DARF ich teilen. Das SOLL ich teilen.


Und ich freue mich, wenn andere können davon profitieren. Da geht noch was. Ich kann den Menschen Mut machen, dran zu bleiben.


Zwei Tage später steh ich auf der Bühne, teilzeitjungfäulich wie ich gerade bin, und halte einen tollen Talk. Die Leute sind berührt, ich bekomme überwältigendes Feedback.

Während Applaus den Raum füllt, habe ich einen Gänsehaut-Orgasmus.

Und Wunder der Work: zurück zuhause, geschieht Unerwartetes. Neue Wege tun sich auf. Einfach so. Na, wenn das nicht sexy ist.



Nachtrag zum #ProjektSchamLos:


Leute sprechen mich immer mal wieder an, warum ich es schamlos nenne, weil es ginge doch eher um schamfrei. Ja, für mich ist "SchamLos" auch nicht schamlos. An manchen Stellen ist Scham oder ich mag es lieber Respekt nennen absolut angebracht und wichtig. Scham ist ein zutiefst menschliches und wichtiges Gefühl. Mir geht es um das Erkennen der Scham, die uns unnötig hemmt und darum, Wege zu finden, diese Loszulassen. Daher SchamLos mit großem L. Ich mache das immer wieder für mich und liebe es, als Coach Frauen dabei zu begleiten, sich ihrer SchamLosigkeit und Sinnlichkeit zu öffnen und Ganz zu ihrer Größe zu stehen. Demnächst werde ich auch auf meiner HP dazu mehr schreiben. Noch ist es alles am Werden. Ein spannender und für mich sehr bewegender Prozess, mich damit in und jenseits meiner Scham zu zeigen.

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