• Susi

Wenn ich Worte hätte.

Wenn ich Worte hätte, sie malten ein Aquarell aus harmonisierenden Farben.


Wenn ich Worte hätte, sie sprächen von funkelndem Sternenregen auf einem ruhig dahinplätschernden Bach.


Wenn ich Worte hätte, sie erzählten aus dem geborgenen, kuscheligen Inneren einer warmen weichen Yoni.


Wenn ich Worte hätte, sie machten die Ausdehnung des Herzens sichtbar.

Ach, wenn ich doch Worte hätte, für das was ich fühle.


Wenn ich Worte hätte, sie erzählten auch von den Momenten des Schmerzes, die ich erlebte, als ich noch die

alten vertrauten Worte hatte.


Sie sprächen von meiner Eifersucht und meinem inneren Ringen. Sie erzählten von der Zerrissenheit zwischen Norm und Erleben. Vom verzweifelten Festhalten an einem Traum von Beziehung, der schon lange nicht mehr meiner ist.


Wenn ich Worte hätte, sie zeigten die Momente, wo ich dachte, ich müsse sterben oder wenn nicht das, dann mindestens kotzen. Sie ließen dich zuschauen, wie der Mann an meiner Seite, der diese Gefühle hervorgerufen hat, bereit wäre, mir die Haare sanft aus dem Gesicht zu streichen, während ich über der Kloschüssel hänge und wie er ganz real, mich stattdessen einfach nur präsent gehalten hat, während ich durch das Höllen-Feuer der Eifersucht ging.


Diese Worte, sie erzählten auch, wie der erste Lichtstrahl unter der verschlossenen Tür mich erreichte, als ich mir das erste Mal erlaubte, das Glück in seinen Augen wahrzunehmen. Und wie diese lichten Momente jedesmal ein paar Sekunden länger anhielten, wenn die Tür sich einen Moment öffnete, bevor wieder alles in der Dunkelheit versank.


Diese Worte, sie ließen dich fühlen, was ich nun fühle, wo etwas die Tür einfach sperrangelweit aufgerissen hat und helles warmes Licht mich umstrahlt. Sie ließen die Sonne aufgehen. Sie brächten dir ein Gefühl von Unendlichkeit und tiefster Verbundenheit ins Haus. Eine Ahnung davon, wie es sein muß, sich nie wieder getrennt zu fühlen.


Ach, wenn ich doch Worte hätte, für das was ich neulich erstmalig fühlte, als mein Partner die Nacht mit einer anderen Frau verbracht hat.


#ProjektSchamLos #MehrfachLieben


Text: Susanne Große-Venhaus

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