• Susi

Liebe sperrangelweit

Aktualisiert: 7. Nov 2019

Ich war eigentlich immer monogam. Es war ja das, was uns vorgelebt wurde, aber es passte auch für mich, tut es vielleicht sogar immer noch. Und dann zerbrach eines Tages meine Ehe. Zumindest dachte ich das. Ein Gedanke, der mich lange gequält hat.


Bild: Mystic Art Design auf pixabay


So stürzte ich mich in neue Abenteuer, ins Single-Leben. Schmerzlich wurde mir bewußt, wieviel ich mir selbst während meiner Ehe verboten hatte. Und nein, ich rede nicht über Abenteuer mit anderen Männern, obwohl ich die jetzt auch hatte, ich rede, über Dinge und Seiten, die ich erst jetzt an mir kennenlernte. Z.B. dass ich gerne tanzen ging, dass ich es liebte alleine durch die Natur zu wandern, dass ich es genoß massiert zu werden und zu massieren, dass ich überhaupt sehr berührbar bin, körperlich und emotional.

All das eröffnete mir wunderbare neue Welten und ich ahnte, ahne immer noch, das ist noch laaaange nicht alles. Es gibt noch sooo viel mehr zu entdecken. Wie geil, dass ich Single bin und alles mal ausprobieren kann.

Parallel brannte tief in mir der Wunsch nach einer neuen Verbindung. Nach einer tiefen Liebe, die meine Seele berührt. Nach dem einen Mann, mit dem ich in eine neue tiefere Dimension abtauchen kann. Doch wann immer ich einen potentiellen Kandidaten kennenlernte, zerbrach es meist schneller, als es begonnen hatte.

Doch die Wahrheit saß tiefer, ich fand sie mit The Work über diverse frustrierende Erlebnisse so nach und nach heraus. Diese von mir gewünschte neue Liebe hätte nach meinem alten The One and Only für All and Everything - Denken einen zu hohen Preis von mir gefordert: nämlich die Aufgabe meiner neu gewonnenen Freiheit. Sie würde mir sicher ein paar neue Seiten eine fremden Welt liefern, nämlich die Seiten, die der Neue mitbrächte, aber danach wäre es das dann und die Tore würden sich wieder schließen. Oder anders ausgedrückt, ich hatte einfach eine Scheiß-Angst mich wirklich auf einen neuen Mann einzulassen, weil ich keine Ahnung hatte, wie Beziehung anders gehen könnte.

Und noch schlimmer: jedes Mal, wenn da ein Mann war, in den ich mich ernsthaft verliebte, fühlte ich mich, als ginge ich meinem langjährigen Lebenspartner fremd. Wie das? Wir waren doch getrennt, unsere Ehe zerbrochen.. Ich war doch frei. Und doch war ich es nicht. Ich verstand es nicht und war kurz davor aufzugeben.

Und dann ging mein Herz auf. Es passierte in dem Moment, als "der" Mann, von dem ich inzwischen nicht mehr glaubte, dass er eines Tages in mein Leben treten würde, das Wort "polyamor" in den Mund nahm. Das Un-Wort. Ich suchte doch nach One and Only. Vor allem wollte ich One and Only sein. Und dann hat mein Herz einfach aufgemacht. Aber sowas von sperrangelweit.

Mehr als dass ich es verstand, verstand ich, das hier die Lösung liegt. Dabei spielt es keine Rolle, ob und wann ich selbst auch polyamor lieben möchte. Es spielt nicht einmal eine Rolle, ob ich eines Tages doch wieder in einer rein monogamen Beziehung sein möchte.

Was ich verstand, war die Öffnung. Poly-Amor. Viele-Liebe. Mit diesem einen Wort durfte ich ALLES haben: die tiefe Beziehung, nach der ich mich so sehnte; die Freiheit, die ich so liebte; die Liebe zu meinem ehemaligen Ehemann, die ich nie aufgeben wollte.

Es spielte auch keine Rolle, dass mir ebenfalls augenblicklich klar war, dass das hier eine Riesenherausforderung und viel Schmerz für mich bedeuten würde. Weil ich wäre nie die Einzige für diesen neuen Partner. Und retten würde er mich auch nicht. Ich würde meinen tiefsten Selbstzweifeln begegnen, ich würde mich damit nicht mehr verstecken können, ich müßte alle Kontrolle abgeben und würde an dieser Front immer wieder kämpfen.

Ich war bereit. Bereit, mich dem zu stellen. Ich bin es noch. Auch, wenn das in meinen Posts vielleicht manchmal so rüber kommt, es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Es tut manchmal einfach verdammt weh. Das Ego rebelliert, immer und immer wieder. Und ich werde doch auch reich beschenkt. Sehr sehr reich. Wann immer eine neue Krise am Horizont auftaucht und ich mich frage, ob ich das wirklich will, spüre ich vor allem eins: was ich will, ist für die Liebe gehen. Solange ich das Gefühl habe, hier einem wunderbaren Menschen in Liebe und auf Augenhöhe zu begegnen, kann ich einfach keinen Grund finden, ihn nicht zu lieben, nur weil er seine Liebe so freizügig verströmt.

Und nun begleite ich als Coach Menschen, die auf der Suche sind nach der Beziehungsform, die für sie passt. Das kann die Monogamie sein oder die Mehrfachliebe oder das Singlesein. Es bedeutet vor allem Hinschauen. Es bedeutet, sich selbst zu begegnen.

Übrigens heute weiß ich, meine Ehe ist nie zerbrochen. Sie wurde geheilt. Wir sind geschieden und nichts wird uns jemals scheiden.

#MehrfachLieben #ProjektSchamLos

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