• Susi

Wie es laufen wird...

Dies ist ein Brief von mir an Menschen, die mir mir in Beziehung waren, sind oder sein werden. Aber vielleicht ist es auch ein Brief von dir an deine Beziehungsmenschen. Das kann ich nicht wissen. Und es ist auch nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass es ausgesprochen wird.

Lieber Mensch, mit dem ich eine Beziehung eingehe,


es läuft so: Zu Beginn wirst du hin und weg von mir sein. Das wird auch nicht schwer sein, weil, natürlich werde ich unwiderstehlich sein und den Rest wird die rosa Brille hübsch einfärben. Auch ich werde hin und weg von dir sein. Und für den Rest hab ich, wenns sein muß auch die extradicke noch rosarotere Brille im Gepäck. Ich kann dir nicht sagen, wie lange das dauern wird. Vielleicht nur ein paar Stunden, vielleicht auch ein paar Monate, mit ganz viel Glück sogar Jahre. In dieser Zeit werden wir schweben. Anfangs mehr, später weniger, aber immer noch schweben. Gerade, wenn wir bemerken, dass es weniger wird, werden wir denken, dass die rosa Brille uns schon verlassen hat und dass wir uns jetzt endlich wirklich sehen, wie wir sind und wir werden ganz entzückt sein, dass es - obwohl wir doch jetzt schon die ein oder andere Macke aneinander erkennen - immer noch so wunderschön ist zwischen uns beiden. Klar wird es mal Streit geben. Klar wirst du erkennen, dass ich auch manchmal ganz schön anstrengend sein kann. Klar werde ich mich manchmal fragen, ob du wirklich der, die oder das bist, was ich gesucht habe. Dann schweben wir halt ein bißchen leiser, das ändert aber nichts daran, dass wir immer noch schweben. Und dann wird der Tag kommen. Und vielleicht ist es kein Tag, kein besonderes Ereignis, sondern etwas, was sich langsam einschleicht, wo ich deiner überdrüssig werde. Wo das, was mich anfangs an dir so faszinierte, wo, das, was du mir anfangs durch deine Verliebtheit an ständiger Bestätigung gegeben hast, nachläßt... Es wird der Tag sein, an dem sich etwas ändert. Der Tag, an dem du mich ent-täuschst. Bzw. eigentlich der Tag, an dem ich mich selbst ent-täusche, in dem ich mir sage, dass ich mich in dir getäuscht habe, was stimmt und auch nicht stimmt. Je nachdem, wie ich so drauf bin, wie die spezielle Dynamik zwischen uns beiden ist, werde ich (oder du) es relativ schnell beenden. Wir werden ein bißchen wehmütig und gleichzeitig erleichtert sein. Es kann aber auch sein, dass es länger dauert oder gepaart mit einer mit einer größeren Prise Dramatik daher kommt. Je nachdem, wie sehr ich vorher glaubte, du seist "The One", umso weniger werde ich es sein, die Schluß macht. Ich mag das nämlich nicht, weil ich dann denke, ich hätte es vergeigt. Also werde ich dich ganz subtil dazu bringen, dass du es beendest oder dich einfach so sehr daneben benimmst, dass ich es beenden muß. Oder, das ist vielleicht die perfideste aller Lösungen, ich halte an dir fest und fühle mich als Opfer, gefangen in einer Beziehung, die mich nicht mehr glücklich macht und die ich aber auch nicht verlassen kann. Ich mache das natürlich nicht absichtlich. Es ist dann eher so etwas wie ein sich automatisch ausführendes Programm in mir. Aber glaube mir, es ist stark. Sehr stark. Es wird nicht leicht für dich sein, dich dem zu widersetzen. Und widersetzen heißt in dem Fall, ungeachtet meiner Dramen und ungeachtet meines stillen Leidens an deiner Seite, immer noch an mich zu glauben. Oder nein, das ist das, was ich dann will. Das ist Teil meines Tricks. Du sollst an mich glauben, damit ich an mich glauben kann. Schade nur, dass die Halbwertzeit so kurz ist. Du kannst dich eigentlich nur dann widersetzen gegen meine eingebaute Zerstörungsdynamik, indem du einfach bei dir bleibst und dir deine eingebaute Zerstörungsdynamik anschaust. Und vielleicht kommen wir da zusammen. Ich meine wirklich zu-sammen. Indem wir die Kraft der in uns eingebauten Zerstörungsdynamiken nutzen, um ebendiese zu zerstören. Zu zerstören, indem wir ihnen begegnen. Sie mit Sanftmut betrachten und uns fragen, wie oft wir dieses Spielchen eigentlich noch spielen wollen, oder ob es nicht auch anders geht. Ich habe einen Trost für dich. Und für mich. Es gibt diese Menschen, die mit mir in Beziehung waren und immer noch sind. Viele viele Jahre. Ich habe diese eingebaute Zerstörungsdynamik und ich habe diese eingebaute Verbindungsdynamik. Wenn du die auch hast, werden wir das Kind schon schaukeln, auf die eine oder andere Weise.


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