• Susi

Ich hatte einen Traum.

"Schnell, zieh dich an. Zieh dich an!"



Hektisch verläßt er den Raum und macht die Türe zu.

Eben noch haben wir halbnackt miteinander gekuschelt, doch jetzt hat es an der Tür geklingelt. Wer kann das sein? Seine Reaktion sagt mir, dass es etwas ist, was ich nicht wissen will. Dass etwas Schlimmes passieren wird. Etwas nachdem nichts mehr so sein wird, wie es war.


Zitternd ziehe ich mich an, während er zur Tür geht. Ich höre leise Stimmen. Es ist eine Frau. Ich verstehe nicht, was sie sagen, aber die Stimmung ist angespannt. Auf einmal wird es laut. Die Frauenstimme kreischt: "Du bist nicht allein. Du Arsch!" Schritte stürmen durch den Flur. Die Tür wird aufgerissen. Sie steht in der Tür und funkelt mich an, funkelt ihn an. Ich zittere, kann die Tränen jetzt nicht mehr aufhalten.


Das ist es also, was ich schon länger erahnte, aber nicht wahrhaben wollte. Er geht mir fremd. Und offensichtlich denkt sie das Gleiche.


Das was eben noch so schön war, zwischen ihm und mir, die Liebe, die fließen konnte, die schönen Stunden, die wir miteinander verbracht haben, das stille Einverständnis, dass wir haben. Alles zerstört, alles Lüge, alles nur eine Ilusion. An diesem Tag gibt es nur Verlierer.



Ich hatte einen Traum. Einen Alb-Traum.



So hätte es sein können, so wie in diesem Traum. So oder ähnlich passiert es tagtaglich. Wenn der oder die Fremdgehende geschickter ist, fliegt es vielleicht nie auf.

Und doch bleibt die Lüge bleiern im Raum hängen, kaum wahrnehmbar mit einer ständigen schweren Präsenz.


Ich hatte einen Traum, einen Traum davon, was erlaubt und was verboten ist, in der Liebe.



Zum Glück war es nur ein Traum.



Denn in Wirklichkeit war es so:


"Zieh dich an. Zieh dich an."


Eben noch haben wir halbnackt miteinander gekuschelt, doch jetzt hat es an der Tür geklingelt. Ich wußte, dass sie kommen würde, aber nun passiert es vor der erwarteten Zeit. Ich wollte eigentlich weg sein. Wie wird sie es wohl aufnehmen? Ein bißchen aufgeregt bin ich schon.


Leicht zitternd ziehe ich mich an, während er zur Wohnungs-Tür geht. Ich höre leise Stimmen. Ich verstehe nicht, was sie sagen. Auf einmal wird es lauter. Eine Frauenstimme lacht: "Oh wir haben Besuch? Sie ist hier? Wie schön!" Sie stürmt durch den Flur, steht in der Tür und strahlt mich an: "Was für eine schöne Überaschung, dich zu treffen". Ein bißchen schüchtern gehe ich auf sie zu, diese Welt ist immer noch so neu für mich. Wir Frauen umarmen uns.


Etwas später sitzen wir zu dritt händchenhaltend auf der Couch. Vor ein paar Tagen hatte sie einen Konflikt mit ihm, er war zu spät gekommen, nachdem er vorher bei mir war. Zuvor hatte ich einen Konflikt mit ihm, weil er bei mir so eilig wegwollte, um sie zu treffen. Jetzt sprechen wir zu dritt darüber.


Wir Frauen sagen ihm, dass wir uns an solchen Stellen mehr Achtsamkeit wünschen. Und gleichzeitig freuen wir uns, dass wir gerade jetzt durch seine erneute Unachtsamkeit hier aufeinander treffen.


Ich sehe, wie glücklich ihn das macht, hier mit uns beiden zu sein, und ich fühle, wie glücklich es auch mich macht. Sie zu sehen und zu fühlen nimmt dem Ganzen das Unheimliche, läßt meinen Kopfkino viel weniger Platz für Dramen.


Ich löse mich aus dem Kontakt mit den beiden. Ich mag sie einfach nur beobachten, einen Moment, bevor ich gleich gehe. Das hier ist ihre Zeit, ich gönne sie ihnen. Denn ich liebe ihn.


Er liebt mich und er liebt sie. Er lebt polyamor, sie auch, ich liebe mich monoamor einfach dazwischen. Davon wird die Liebe nicht weniger und muß nicht aufhören. Das ist es also, was ich schon länger erahnte, aber nicht wahrhaben konnte, vernebelt mit Gedanken. Ohne diese Gedanken zeigt sich klar: Liebe ist multiplizierbar und nur, weil es eine andere gibt, muß er mich nicht automatisch verlassen.


Das was so schön ist, zwischen ihm und mir, die Liebe, die fließen kann, die schönen Stunden, die wir miteinander verbringen, das stille Einverständnis, dass wir haben. All das zeigt sich gerade wieder in diesem Moment der Wahrheit. An diesem Tag gibt es nur Gewinner..



Ich hatte keinen Traum. Ich bin meiner Wahrheit begegnet.



Und ja, manchmal macht es mir Angst, manchmal wünsch ich mir den Traum zurück. Freiheit schmeckt manchmal auch bitter. Zartbitter. Ein wunderbarer Geschmack, der sich erst langsam entfaltet.


Fühlst du dich zu mehr als einer Person hingezogen, weißt aber nicht, wie du das leben kannst? Oder ist es dein (potentieller) Partner, der sich nicht nur zu dir hingezogen fühlt. Hast du Angst verlassen zu werden, weil du oder weil der Mensch, den du liebst, noch jemand anders liebt? Bist du in eine Beziehung mit mehr als zwei Menschen verwickelt und weißt nicht, wie das funktionieren kann? Es gibt Wege durch den Dschungel der Lügen und des Dramas. Lass sie uns gemeinsam erkunden.


Auf meiner langen Reise durch den Dschungel meines Wunsches nach DER einen großen Liebe habe ich viele Tools rund um The Work gelernt, um heute unter so "schwierigen" Bedingungen so unglaublich viel Liebe empfangen zu können. Als Coach für Polyamorie und Mehrfachliebe unterstütze ich Menschen, die sich auf diesem Weg erkunden möchten oder auch nur neugierig sind, auf das, was sich ihnen dort zeigen möge.


Gemeinsam mit dir schaue ich in die Hindernisse, die Eifersucht, die Ängste, die dir begegnen, wenn (Un)Treue droht, weil die Liebe sich auf mehrere Menschen verteilen will. Und das kann durchaus sein, dass du dann für dich klar erkennst, welchen Weg du wirklich gehen willst. Fülle kommt von Fühlen.



#ProjektSchamLos #MehrfachLieben


Text: Susanne Große-Venhaus, www.liebens-lust.de Bild: Monika Engisch (ich), pixabay (Herzen)

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