• Susi

Manchmal ist es echt herausfordernd..

Wir liegen gemütlich auf dem Teppich in der Sonne. Stimmen von draußen dringen an mein Ohr. "Oh, da ist der Briefträger" sage ich "das ist so ein ganz Beflissener."



Manchmal ist es echt herausfordernd...

"Du das interessiert mich überhaupt gar nicht." hört mein Ohr nun. Ich fühle ich angegriffen, nicht gesehen, unter Druck gesetzt. Da ist es wieder, unser Thema der letzten paar Wochen. Kann ich nicht einfach mal Blabla reden ohne dass ein Veto kommt?

"Warum erzählst du mir das?" hakt er nach. Ich sage, dass ich doch nur ein bißchen Blabla reden wollte, aber leider leider weiß er, dass ich eine Workerin und Tiefsee(len)taucherin bin. Er hakt nochmal nach, bittet mich nach- und hineinzuspüren, warum ich glaube, diese be- und entwertende Bemerkung über einen Menschen, den er nichtmal kennt, machen zu müssen.

Ich lasse mir Zeit. Unser gesamtes Gespräch geht nun in Zeitlupe. Jeder Antwort folgt eine Pause und dann die nächste Frage. Wir nehmen es beide in uns hinein, was wir hören. Ein Netz von Neugier entspinnt sich. Ich schaue hin. Und finde schließlich, dass ich den Briefträger als latent unterwürfig empfinde und dass das in mir Beklemmungsgefühle hervorruft.

"Und wenn du das umkehren würdest?"

Manchmal ist es echt herausfordernd...

Ich versuche es mal mit der Wohlfühlumkehrung: "er ist nicht unterwürfig". Ohja, klar, der ist einfach freundlich und zuvorkommend.

Er läßt mich nicht entkommen. Nein, er arbeitet für gewöhnlich nicht mit The Work of Byron Katie, aber er weiß, dass ich das tue und ein Fan davon bin, mir damit meine stressigen Gedanken anzuschauen und umzukehren.

Er sagt: „Da war doch noch eine andere Umkehrung?". Autschhhhh. Ich höre sie in mir flüstern: "Ich bin unterwürfig." Nein, ich doch nicht, schreit es in mir, während etwas Sanftes in mir wispert: Schau hin, du Liebe. Schau mit Liebe hin. Frage dich selbst. Was piekst da so sehr?

Ich spüre, wie die Tränen hinter meinen Augen warten. Ich atme in sie hinein, entlasse sie in die Freiheit.

Ich finde, wo ich unterwürfig bin. Z.B. als Geliebte, wenn ich mich dem Leben meines Partners an Stellen anpasse, die für mich nicht wirklich stimmig sind.

Das ist es also, was in den letzten Wochen zwischen uns stand. Und was mich so hat verstummen lassen, obwohl wir viel reden. Scham. Ich atme. Tränen. Ich atme. Hingabe. Ich rebelliere. Ein Veto bricht hoch: "Ja, aber ich hätte das Wort 'unterwerfen' nicht benutzt, ich hätte es 'anpassen' genannt und das ist doch ein stückweit auch total OK als soziales Wesen." Ja, es ist total OK und er macht mich liebevoll darauf aufmerksam, dass ich das Wort "unterwürfig" eben doch genutzt habe, in Bezug auf den Postboten und dass das einen Grund haben wird.

Ich gehe zurück. Atmen. Fühlen. Fühlen. Atmen.

Ja, es hat einen Grund, dass ich das Wort verwendet habe.

Ja, verdammte Scheiße, weil ich es von mir kenne.

Atmen. Fühlen. Hingabe.

Und ja, bereichender Segen, weil ich es von mir kenne.

Wie wäre es, mit Liebe dort hin zu schauen? Manchmal unterwerfe ich mich. Manchmal ist es ein dienen und fühlt sich an, als ob ich ein Geschenk bekomme. Und manchmal ist es ein mich selbst verleugnen und tut niemandem gut, dem, dem ich mich unterwerfe nicht und am allerwenigsten mir selbst. Wie gut, dass mein Beziehungspartner Zeuge meiner inneren Reise war.

Es ist alles gesagt. Es ist vieles gefühlt. Der Nebel lichtet sich. Es fühlt sich an, als strecke sich etwas in mir. Ich richte mich auf. Und lasse die Liebe fließen. Danke Postbote. Danke Liebe. Danke Leben. Danke ich.

Manchmal ist es echt ein Segen, wenn es herausfordernd ist.


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